Natürlich sind wir stolz auf das Hamburger Kinderbetreuungsgesetz, dass wir 2004 mit Hilfe von vielen Tausend Hamburger Eltern der CDU abgetrotzt haben. Klar, der Kita-Ausbau geht ordentlich voran und wir haben Rechtsansprüche geschaffen, die sich bundesweit sehen lassen können. Aber wir haben doch auch immer wieder heftige Kritik an der Umsetzung des Gesetztes durch den CDU-Senat.
Daß es nicht allein Grund zum Feiern gibt, ist ganz klar auch auf der zwei-tägigen Fachveranstaltung “Fünf Jahre Kita-Gutscheinsystem in Hamburg” der HAW zusammen mit den Verbänden der Kita-Träger in Hamburg deutlich geworden. Eine differenzierte Bewertung nach fünf Jahren zeigt die Schattenseiten in der Umsetzung des an sich guten Gesetzes. Hier eine Zusammenfassung aus der Welt.
Meine Meinung: Es gibt keinen Grund sich auf dem Erreichten auszuruhen. Analysen der Fachtagung haben ergeben, dass sich die Kitas in der Hamburger Stadtteilen mit sozialen Problemen bei Versorgungsgrad und Vergabe von Ganztagsplätzen schlechter entwickeln. Während 2002 die Krippenkinder in Problemstadtteilen besser versorgt waren, hat sich dies umgekehrt. Wir brauchen aber gerade einen gerechteren Zugang zur Kita, denn die Chancengleichheit fängt nicht erst in der Schule an! Das Kita-Gutschein-System hat sich bewährt – es darf aber mit seinem Grundsatz der Subjektförderung nicht die Begründung dafür liefern, sich aus der sozialpolitischen Steuerung herauszuziehen und alles dem Markt zu überlassen, wie der Senat das tut.
Ich plädiere in diesem Zusammenhang auch für eine bessere Ausstattung von Kitas in sozialen Brennpunkten, so wie es die Schulen mit dem KESS-Index auch erhalten. Allein die wenigen Sprachfördermittel, die Kitas dann bekommen, wenn sie mehr als 25% Migrantenkinder haben, reichen nicht aus.
Erstaunlich auch: während der schwarzgrüne Senat zwar immerhin der Auffassung ist, dass Erstklässler – also sechsjährige – in benachteiligten Quartieren in kleinen Klassen mit höchstens 18 Kindern sitzen sollen, wird für die fünfjährigen mit den gleichen sozialen Bedingungen eine Gruppengröße von 25 für angemessen gehalten. Das belegt, dass bei CDU und GAL eben noch nicht angekommen ist, dass Bildung nicht erst in der Schule beginnt.
Es geht auch überhaupt nicht an, die Bewertung der Kinderbetreuung allein mit Blick auf die Zahl der betreuten Kinder vorzunehmen, wie es der Senat stets tut. Es ist gut, wenn die Kapazitäten der Kinder-Betreuung in Hamburg ausgeweitet werden. Dies ist aber in den letzten Jahren auch zu Lasten der Qualität in den Einrichtungen geschehen, und es ist dringend notwendig, dass Schluss ist mit dieser katastrophalen Unterausstattung der frühkindlichen Bildung. Das setzt in erster Linie eine bessere Personalausstattung in den Einrichtungen voraus, denen die Kinder anvertraut sind. Die Gruppengröße der unter dreijährigen in Hamburg ist fast 50 Prozent größer als etwa in Rheinland-Pfalz oder Bremen – das geht gar nicht und ist wahrhaftig kein Qualitätssigel. Hier macht sich bemerkbar, dass die vom CDU-Senat durchgesetzten Standardabsenkungen trotz aller Warnungen nicht zurückgenommen wurden. Das geht nicht nur zu Lasten der Arbeitsbedingungen des Personals, sondern vor allem zu Lasten der Qualität in der Betreuung und Bildung. Eine individualisierte Förderung jedes einzelnen Kindes, die eigentlich stattfinden sollte, ist so ja kaum möglich.
Weiteres wichtiges Thema ist – in Wirklichkeit seit Jahren – die Frage der mangelnden Kontinuität bei der Betreuungsverhältnisse. Ein Podiumsteilnehmer sprach gehässig vom “pädagogischen Stundenhotel”, zu dem die Kita für manche Kinder wird, wenn sie ständig wechselnde Betreuungszeiten bekommen, z.B. weil ihre Eltern wechselnde Arbeitsverhältnisse haben. Immer noch fliegen Kinder aus der Kita, nur weil der Sprachkurs der Mutter beendet ist – ich halten das für einen pädagogischen Skandal.
Treibende Kraft für den Ausbau der Kindertagesbetreuung in Hamburg sind Hamburgs Eltern, die Familie und Beruf unter einen Hut bekommen wollen und ihren Rechtsanspruch auf
Kinderbetreuung wahrnehmen. Sie haben allerdings wenig Einfluss auf Qualität, Bildungsstandards und den Zugang zum System, worauf auch der Landeselternausschuss (LEA) immer wieder hinweist.
01
Nov2008
Keine Kommentare || Schlagwörter:Beust-Senat, Bildung, Bildungschancen, Kinderbetreuung, Kita, Kita-Gutschein-System, Landeselternausschuss, soziale Spaltung

