Carola Veit
28 Mrz2010

KindergartenBis zu 100 € mehr im Monat, und für alle Kita-Kinder eine Essensgeld-Erhöhung, dazu noch Gebührenerhöhungen für behinderte Kinder und der Rausschmiss für alle Kinder über 12 aus den Horten: Nun sollen Hamburgs Kinder und Familien die Zeche für die verfehlte Finanzpolitik von CDU und GAL zahlen. Dabei geht es nicht etwa um Qualitätsverbesserungen in den Kitas – sondern schlicht um Einnahmeerhöhungen für die Stadt. Wieder einmal fragt man sich, wofür der Senat Geld hat und wofür nicht. Die Sozialbehörde will allein bis Ende kommenden Jahres durch höhere Preise für das Mittagessen und höheren Regelsätzen für die Kita-Betreuung 30 Millionen Euro sparen. Das ist ein weiterer Beweis, dass die Familienpolitik bei der CDU in schlechten Händen ist. Senator Wersich wird wieder einmal erklären, dass sich gut verdienende Ehepaare die Gebührenerhöhung werden leisten können. Und er wird weiterhin diejenigen ausblenden, die schon mit moderaten Mehrkosten Schwierigkeiten bekommen. Statt sich zur Sanierung des Haushalts einmal mehr an Familien zu vergreifen, muss der Senat sich fragen lassen, warum er Spitzenverdiener bei dieser Aufgabe weiterhin ungeschoren davonkommen lässt. Der Senat sperrt sich gegen die Einführung der Vermögenssteuer, und er nimmt die Defizite bei der Steuerprüfung von Einkommensmillionären und Großbetrieben schulterzuckend hin. Gleichzeitig stellt er es ständig als besondere Wohltat hin, dass es überhaupt Kita-Plätze gibt und die Rechtsansprüche der Eltern erfüllt werden.
Senator Wersich hatte darauf hingewiesen, dass man für die Kosten des Hamburger Kita-Systems jedes Jahr eine Elbphilharmonie bauen könnte. Ich finde: Das ist ein besonders dummer Vergleich Es erschrickt schon, wie ein verantwortlicher Senator hier notwendige soziale Infrastruktur mit einer durchaus wünschenswerten, aber eben zusätzlichen Musikhalle vergleicht. Da könnte man dann auch alle Hamburger Schulen schließen und dafür jährlich vier bis fünf Philharmonien bauen. Oder Polizei und Feuerwehr abschaffen – gibt auch rund zwei Philharmonien pro Jahr. Wenn man schon solche Vergleiche heranziehen will, bietet sich ein anderer an: Die 30 Millionen Euro, die Wersich sparen will, indem er sie den Eltern aus der Tasche zieht, decken ungefähr die Zinsbelastung, die Hamburg jährlich durch die Philharmonie entsteht.

Sozialsenator Dietrich Wersich (CDU) macht gar nicht erst den Versuch mache, seine Einschnitte fachlich zu begründen. In der Sache wird jetzt deutlich, dass nicht nur – wie ursprünglich angekündigt, die bisher gedeckelten Höchstbeiträge für Bezieher höherer Nettoeinkommen erhöht werden. Die Gebührenerhöhungen treffen genauso mittlere Einkommen. Die Erhöhung des Essensgeldes trifft besonders diejenigen, die wenig Geld haben.
Meine Fraktion jedenfalls wird einer Kürzung der Rechtsansprüche und der entsprechenden Änderung des Kinderbetreuungsgesetzes in der Bürgerschaft nicht zuzustimmen. Ohne jede Begründung sollen plötzlich alle Kinder, die älter als 12 sind, aus den Horten fliegen. Vor dem Hintergrund der bildungs- und sozialpolitischen Diskussion in der Stadt ist das ein unglaublich verantwortungsloses Vorgehen.

9 Kommentare zu “Senat erhöht Kita-Beiträge”

  • I. Burmeister 29. März 2010 Reply to

    Sehr geehrte Frau Veit, als betroffene Eltern sind wir einigermaßen ratlos, was in unserer Macht steht, diese Regierung, der es an “Bodenhaftung” so offensichtlich mangelt, in ihrem Elfenbeinturm zum Umdenken zu bewegen. Erst die angedachte, hanebüchene Schulreform, nun die Ehöhung der Kinderbetreuungskosten. So soll Hamburg “wachsen”? Das Leben ist für Familien in Hamburg kaum noch zu bezahlen! Wir werden unsere Kinder wohl vom Hort abmelden und uns anders organisieren. Mit Sicherheit werden alle auf der Regierungsbank bei der nächsten Wahl abgestraft, da können wir uns sicher sein. Ich freue mich über Ihre Haltung. Vielen Dank für die Unterstützung! Beste Grüße aus Volksdorf, I. Burmeister

  • Jan Gebert 31. März 2010 Reply to

    Ich bin fassungslos…….

  • O. Olofsson 31. März 2010 Reply to

    Sehr geehrte Frau Veit, angesichts der vom Senat geplanten Kita-Gebührenerhöhung bekomme ich das kalte Grausen. Sozialsenator Wersich hätte lieber Buchhalter o. ä. werden sollen, eine “soziale Ader” kann ich angesichts seiner “Elbphilharmonie-Argumentation” überhaupt nicht erkennen. Dieser Vergleich schreit doch zum Himmel. Es ist doch aberwitzig, dass er sich hinstellt und jammert, Hamburg müsse jährlich 200 Mio EUR für die Kinderbetreuung aufbringen. Wir leben doch nicht auf dem Dorf, sondern in einer Weltstadt Hamburg, bei der ein solcher Posten doch kein Problem sein sollte. Ich kann momentan nur den Eindruck gewinnen, dass Familien mit Kindern in dieser Stadt nicht mehr erwünscht sind. Ihren und Ihrer Fraktion danke ich Ihnen im voraus für Ihr Engagement. Gruß, O. Olofsson

  • P. Paweletz 31. März 2010 Reply to

    Wir haben drei Kinder in Kitas und Hort und sind entsetzt wie ratlos.
    Die Dummheit des Senats beim Bau der Elbphilharmonie, sowie deren Sinnlosigkeit, verbietet jeden Vergleich mit existenziell wichtigen Leistungen.

  • Christian Förster 1. April 2010 Reply to

    Sehr geehrte Frau Veit,

    ihre Analyse kann ich nur teilen. Es ist ein Skandal von großem Umfang, dass Familien -die Stützen unserer kinderarmen Gesellschaft- zur Finanzierung der Folgen einer Wirtschaftskrise herangezogen werden, welche von einer kleinen nicht zur Verantwortung gezogenen Finanzelite verursacht wurde.
    Jetzt gilt es aber entschiedenen Widerstand gegen die Pläne der Kitagebührenerhöhung zu organisieren. Wie wollen Sie diesen Widerstand organisieren? -Bürgerbegehren, Volksabstimmung,…? Ich wäre gern bereit, den Widerstand mit zu organisieren und wünsche mir von Ihnen als Politikerin erste Vorschläge, wie wir damit beginnen können.

    Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Christian Förster

  • Ivonne Kislaki 9. April 2010 Reply to

    Sehr geehrte Frau Veit,

    wir sind eine vierköpfige Familie und leider von der Erhöhung stark betroffen. Wir haben zwei Kinder in der Kitabetreuung und zahlen den Höhstsatz, wenn diese Erhöhung kommt, macht es für mich keinen Sinn mehr arbeiten zu gehen, damit ich jeden Monat 800,00 EUR für die Kitabetreuung zahlen kann. Ich liebe meinen Job und mache ihn seit 9 Jahren – aber das geht einfach nicht mehr. Ich bin absolut ratlos, was wir tuhen können. Ich hoffe sehr, dass der Senat noch zur Besinnung kommt.

  • RH 11. April 2010 Reply to

    … das kann ich nur bestätigen !

    Welch ein arrogantes Verhalten des zuständigen Senators. Auch wir gehören zur Mittelschicht und trotzdem ist bei uns die Zumutbarkeitsgrenze erreicht. Monatlicher Höchstsatz und ein völlig überteuerter Essensbeitrag für Billigkost – einfach skandalös !

    Wir werden es privat organisieren und unser Kind abmelden !

    Ach ja …. als Unternehmer das letzte Mal CDU gewählt – das ist sicher !

  • Yvonne M. 13. April 2010 Reply to

    Sehr geehrte Frau Veit,
    ich bin entsetzt über das Vorhaben des Senats. Wir haben zwei Kinder in der Kita und kommen so kaum zurecht und dann noch die Erhöhung… Da kann ich dann auch aufhören zu arbeiten, weil es sich leider für uns nicht mehr lohnt. Warum bekommen andere Länder es hin, dass die Kinderbetreuung sogar kostenlos ist, sogar teilweise in Deutschland z.B. in Leipzig???? Warum ist das so? Warum macht man es hier den Eltern so schwer? Kinder sind doch unsere Zukunft, wie kann man immer dort den Rotstift ansetzen??? Ich habe das Gefühl es sind stets die falschen Leute in solch wichtigen Positionen!!!!! Nur die reichen kommen weiter. Heißt es bei den armen und der Mittleschicht jetzt etwa “Pech, gehabt warum bekommt ihr denn auch Kinder”??? Ich hoffe sehr, dass sich noch alles irgendwie zum Guten wendet.

  • FB 16. April 2010 Reply to

    Meine Frau arbeitet mittlerweile wieder halbtags (nach der 2. Babypause) durch dieses Zusatzeinkommen liegen wir oberhalb der Beitragsgrenzen.

    Wir müssen also mit einer Erhöhung von 100€ rechnen. Ich wusste gar nicht das ich mit meinem Einkommen zu den 3% der Oberschicht gehöre, Zitat Jens Kerstan: “«Mehrkosten von 100 Euro werden nur auf drei Prozent der Kita-Eltern zukommen»”
    Eigentlich sollte ich mich freuen, wenn es nicht so traurig wäre.

    Für Kinderbetreuung gehen für unsere beiden Kinder (Krippe/Kita) also gut die Hälfte des Nettoeinkommens meiner Frau direkt wieder an die Stadt zurück. Da geht sie wieder richtig gerne zur Arbeit.

    Ich wusste es ja immer: Wer Kinder kriegt ist selber schuld. Aber dass wir Eltern die Rentenzahler der Zukunft in die Welt setzen/gesetzt haben, das wird (fast) nirgendwo berücksichtigt.

    Aber wie ein Vorredner schon richtig bemerkt hat, es gibt wichtigeres als Kinder (Elbphilharmonie, etc).

    Noch eine Info für etwaige Leser der GAL Fraktion: Im Gegensatz zu CDU Wählern (Stickwort LBK Verkauf), vergesse ich nicht innerhalb einer Legislaturperiode, welche Leichen Ihr im Keller habt.

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