Carola Veit

Rothenburgsort

Rothenburgsort ist ein Stadtteil mit Entwicklungsperspektiven. Zwischen der wachsenden „Hafencity“ und den internationalen Ausstellungen IBA und IGS in Wilhelmsburg liegt es im Herzen der „Wachsenden Stadt“. Wo, wenn nicht hier, beginnt der „Sprung über die Elbe“. Viele engagierte Bürgerinnen und Bürger lieben und prägen diesen Stadtteil. Sie fördern und fordern Zukunftsperspektiven.

Der Stadtteil ist geprägt durch ein enges Nebeneinander von großflächigem, verkehrsintensivem Gewerbe und einem isolierten Wohnquartier mit ca. 8200 Einwohnern. Trotz einiger Erfolge im Rahmen des Programms „Soziale Stadtteilentwicklung“ wird das Potenzial des grünen Stadtteils mit Wasserlage, kurzer Distanz zur Innenstadt und günstigen Mieten noch lange nicht ausgeschöpft.

So bieten z.B. der Elbpark Entenwerder mit seinen großzügigen Freizeit- und Parkanlagen oder die Elbinsel Kaltehofe mit ihrer seltenen Flora und Fauna stadtnahe Erholungsmöglichkeiten. Dank des europäischen Elbuferwanderwegs gibt es eine Fuß- und Radwegverbindung in die nur ca. vier Kilometer entfernte Innenstadt.

Die zahlreichen Vereine z.B. im Wassersportbereich, die Altentagesstätte, das Haus der Familie oder das Spielhaus Trauns Park sind wichtige Grundpfeiler der sozialen Infrastruktur in Rothenburgsort. Ergänzt wird dieses Angebot durch sich entwickelnde alternative Kunstprojekte, eine Golf Lounge in bester Lage mit Blick auf die Elbbrücken und das große Engagement vieler Rothenburgsorterinnen und Rothenburgsorter, z.B. im Stadtteilrat oder im neuen Stadtteilhaus “Die RothenBurg”.

Doch all diese positiven Faktoren und auch die unmittelbare Nachbarschaft zum Leitprojekt der Hamburger Stadtentwicklung unter dem CDU-geführten Senat, der „Hafencity“, führten nicht dazu, dass Rothenburgsort eine Aufwertung erfuhr.

Eher das Gegenteil war der Fall:

- Nach Schließung der Sekundarstufe I an der einzigen lokalen Schule hat es Rothenburgsort schwerer, Familien in den Stadtteil zu locken.
- Die Lärmbelästigung durch laute Abschleppfahrzeuge, die mangelnde Ausstattung ist der S-Bahnhof in Rothenburgsort oder die Schließung des Ortsamtes tragen ebenfalls nicht zur Verbesserung der Situation im Stadtteil bei.
- Die katastrophale Situation am Rothenburgsorter Marktplatz demotiviert die Bewohnerinnen und Bewohner. Als wichtigster Einzelhandelsstandort für die Versorgung des Stadtteils sollte er schon lange umgebaut werden, doch der Prozess gerät immer wieder ins Stocken.
- Die für Industrie, Gewerbe oder Wohnen geeignete Fläche des ehemaligen „Huckepackbahnhof“ liegt ebenfalls brach.
- Das Programm „Soziale Stadtteilentwicklung“ wurde Ende 2007 eingestellt. Viele wichtige Impulse dieser Institution im Stadtteil drohen verloren zu gehen.

Mit dem Wahlsieg der SPD in Hamburg hoffen wir nun auf neue Impulse für unseren Stadtteil.

Der Rothenburgsorter Marktplatz sieht zwar immer noch “katastrophal” aus, aber nur, weil dort seit über einem Jahr eine riesige Baustelle ist. Es geht voran. Der neue Rothenburgsorter Marktplatz mit seinem Einkaufszentrum soll schon Ende diesen Jahres eröffnet werden. Dann wir der Einzelhandel wieder Mitten in Rothenburgsort einen Standort haben. Viele neue Wohnungen wurden und werden noch gebaut. Auch der Wochenmarkt soll von seinem derzeitigen Standort, der Stresowstraße, wieder zurückkommen.

Gelände HuckepackbahnhofDas Gelände des “Huckepackbahnhofs” liegt immer noch brach. Die Autohändler mussten letztes Jahr das Gelände räumen. Die SPD-Rothenburgsort kann sich auf diesem Grundstück eine Wohnbebauung vorstellen mit kleinem Gewerbe. Nach Ansicht des SPD-geführten Senats braucht Hamburg pro Jahr 6000 neue Wohnungen. Hier könnte ein ganzes Wohnquartier in Rothenburgsort enstehen. Durch eine Art Riegelbebauung könnte die Lärmbelastung durch den Verkehr für die neuen Bewohner niedrig gehalten werden.

Rothenburgsort war schon immer durch seine Lage zwischen Wasser und Industrie vom Rest Hamburgs räumlich isoliert („Insellage“). Dieser Zustand wird durch die Verkehrsführung an der Kreuzung Billhorner Brückenstraße B4/75 – Billhorner Röhrendamm („Kleeblatt“) negativ verstärkt.

Rothenburgsort gehört zu den sozial schwächeren Stadtteilen in Hamburg. Die Arbeitslosenquote in Rothenburgsort lag im Dezember 2007 bei 9,7 % (im Vergleich zu 6,2% im Hamburger Durchschnitt). 21,8% der Rothenburgsorter bezogen im Jahr 2006 Leistungen nach SGB II (Hartz IV) (Hamburger Schnitt: 11,9%).

Gerade hier ist eine intensive und zielgruppengerechte Betreuung der Jugendlichen im Stadtteil unabdingbar. Das „Haus der Jugend Rothenburgsort“ ist allerdings in einem sehr mangelhaften baulichen Zustand (z.B. Dach, Fenster, Heizung).

Zwischen all diesen Chancen und Risiken für die Entwicklung von Rothenburgsort bewegen sich unsere Rothenburgsorter SPD-Abgeordneten und ich mit unserer täglichen politischen Arbeit. Die Perspektive ist dabei jedoch immer klar: Rothenburgsort ist eine attraktive, vergessene Idylle an der Elbe und muss ein wichtiger Bestandteil der „Menschlichen Metropole“ Hamburg werden.

Veddel

Die Elbinsel Veddel ging 1768 in hamburgischen Besitz über, nachdem sie zuvor über 100 Jahre dänisches Eigentum gewesen war. Ursprünglich als Weideland für das Vieh genutzt – der Name Veddel bedeutet vermutlich auch Weideland – wurde sie nach dem vereinbarten Zollanschluss 1881 zu einem Hafen- und Industriegebiet. 1894 wurde die Veddel offiziell zu einem eigenständigen Stadtteil erhoben. Zuvor war von einer gemeinnützigen Baugesellschaft eine gartenstadtähnliche Arbeitersiedlung im Nordwesten der Veddel errichtet worden. Diese Siedlung ist heute nicht mehr vorhanden, da sie bereits 1928 einer sechsgeschossigen „Groß â€“ Siedlung Veddel“ weichen musste.

Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete der Hamburger Reeder Albert Ballin auf der Veddel Unterkünfte für die Menschen, die von Hamburg aus in die Neue Welt aufbrechen wollten. Auf rund 55000 Quadratmetern ließ er sowohl Wohn- und Schlafstätten, als auch Speisehallen, Bäder, Kirchen und Synagogen sowie Räume für ärztliche Untersuchungen errichten. In den Unterkünften konnten bis zu 5000 Menschen Platz finden. Jeder Auswanderungswillige musste sich hier anmelden und untersuchen lassen. Auf diese Weise wurde zum einen erreicht, dass keine Krankheiten auf die Schiffe getragen wurden, zum anderen waren die Auswanderer vor den Neppern, Schleppern und Bauernfängern in Hamburg geschützt. Die so genannten „Auswandererhallen galten zur damaligen Zeit als Vorbild an Sauberkeit und Effektivität. Aufenthalt, Unterkunft und Verpflegung waren im Preis der Passagiertickets enthalten. Später wurden die Hallen entweder als Lager genutzt oder abgerissen. Die Gebäude, die heutzutage noch vorhanden sind, stehen mittlerweile unter Denkmalschutz.

Die verheerende Sturmflut von 1962 verschonte natürlich auch den Insel – Stadtteil Veddel nicht. Die meisten Bewohner konnten sich jedoch glücklicherweise auf den Bahndamm oder die oberen Etagen der Häuser retten.

Heute ist die Veddel ein relativ kleiner Stadtteil südöstlich des Hamburger Hafens. Er verteilt sich auf die Inseln Veddel, Peute und Georgswerder die alle im breiten Strom der Norderelbe liegen. Auf den ca. 4 km² lebt eine im Hamburger Schnitt gesehen sehr junge Bevölkerung. Der Anteil der Unter 18 – Jährigen liegt in dem 4708 Einwohner zählenden Stadtteil bei 26,1%. Aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Hamburger Hafen war die Veddel seit je her ein Arbeiterviertel. Durch den kontinuierlichen Zuzug ausländischer Mitbürger ist sie mittlerweile aber auch ein durch seine kulturelle Vielfalt geprägter Stadtteil geworden.

Schwer getroffen hat die Veddel die industrielle Krise, in der sich Deutschland seit einigen Jahren befindet. Der Anteil an Sozialhilfeempfängern liegt hier bei über 25%. Die Zukunft soll jedoch wieder besser werden für die Veddeler. Einen Aufbruch in bessere Zeiten erhofft man sich vor allem durch die Eröffnung der „BallinStadt“, dem geplanten Auswanderermuseum. Vor allem in den Ländern Nord- und Südamerikas leben heutzutage viele Menschen deren Vorfahren ihren Weg in die Neue Welt von der Hamburger Veddel aus gestartet haben. Amerikanische Urlauber, die erfahren möchten, wie ihre Vorfahren den alten Kontinent verließen, sollen in Zukunft den Veddelern neue Einkunftsmöglichkeiten in den bereichen Tourismus und Gastronomie bieten.

In den letzten Jahren haben sich auch verstärkt Studenten in speziell subventionierten Wohnungen auf der Veddel niedergelassen. Ihnen folgten eine Reihe neuer Geschäfte, Restaurants, Bars und Cafés, die den Stadtteil kulturell aufwerten und den Bewohnern neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung geben.
Natürlich ist auf der Veddel auch weiterhin viel Industrie vorhanden. Auf der Peute, dem Veddeler Industriegebiet produziert seit 1905 die Norddeutsche Affinerie Kupfer. Sie ist Hamburgs größter industrieller Arbeitgeber. Neben der Affinerie haben sich auf der Peute auch eine ganze Reihe von Speditionen und Recyclingunternehmen niedergelassen. Industrieromantiker werden somit auch in Zukunft auf der Veddel auf ihre Kosten kommen können.

Kleiner Grasbrook

Kleiner Grasbrook heißt der Hafenstadtteil westlich der Veddel. Begrenzt ist er durch den Reiherstieg im Westen und die Eisenbahnlinie im Osten. Auf den ersten Blick vermutet man es nicht, aber tatsächlich leben hier rund 1.500 Menschen.

Zukünftig – jedenfalls wollen meine Fraktion und ich das – soll hier in weitaus stärkerem Maße gewohnt werden als bisher. Wir stellen uns niedrigen Geschosswohnungsbau, Reihenhäuser und dergleichen vor, alles mit viel Grün und höchst attraktiv durch die Nähe zur City und zum Wasser. Wegen des schlechten Untergrunds ist bauen dort vermutlich etwas teurer, aber die Lage wiegt diesen Nachteil auf. Der Kleine Grasbrook ist – im Anschluss an die Hafencity – der nächste Schritt beim Sprung über die Elbe!

Ebenfalls auf dem Kleinen Grasbrook befinden sich die sogenannten „50er Schuppen“, die das Museum der Arbeit heute betreibt, sowie (auf der nördlichen Insel) eine Fläche, die der Senat für den Fall freihalten will, dass Hamburg irgendwann einmal Austragungsort der Olympischen Spiele wird.

Als Klaus Störtebeker im Jahre 1400 (nicht, wie oft geschrieben 1402!) auf dem Grasbrook hingerichtet wurde, war der komplette Brook noch „Festland“ mit direkter Verbindung zur Innenstadt. Erst als 1604/05 der sogenannte „Neue Graben“, den wir heute als Norderelbe kennen, ausgehoben wurde, wurde der Grasbrook zerschnitten, und der Kleine Grasbrook bekam seine Insellage.
Zunächst ein ausgedehntes Grüngebiet, entstanden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die verschiedenen Hafenbecken, Kaimauern, Schuppen und so weiter. Den Anfang machte damals der heutige Südwesthafen, in dem Petroleum gelöscht wurde. Diesen „Gefahrstoffumschlag“ hatte man so weit wie möglich von der eigentlichen Stadt entfernt angesiedelt.

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